2008 ist es für die aufstrebende Wirtschaftsmacht China endlich soweit. Die Olympischen Spiele kommen ins Land, genauer gesagt nach Peking. Die Stadt will sich dann von seiner Besten Seite zeigen. Der westliche Tourist soll nach den Spielen das Land verlassen und einen positiv bleibenden Eindruck mit nach Hause nehmen. Das Land und die gastfreundlichen Leute seinen Freunden, Arbeitskollegen und der ganzen Welt anpreisen, es sein immer einen Besuch wert.
Wer schon einmal in China gewesen ist oder die eine oder andere Dokumentation im Fernsehen über das Land der aufgehenden Sonne gesehen hat, der wird sicherlich eine der Eigenart der Chinesen gesehen oder bemerkt haben. Wo man auch im chinesischen öffentlichen Leben hinkommt, das dort gehörte Geräusch wird man nicht so schnell vergessen.
Es beginnt mit einen tiefen Gurgeln, dann folgt das schnarrende Hochziehen des Nasenschleims, das in einem lautstarken Ausspucken mündet.
Das alles hat seinen traditionellen Grund. Die Chinesen glauben nämlich, dass das regelmäßige und kräftige Spucken gut für die Gesundheit ist. Wo man auch hinkommt, ein Speichelfleck kreuzt den Weg. In der U-Bahn, im Restaurant und im Kaufhaus sind die Flecken am Boden zu sehen. Da kann es bei einem Bummel durch die Straßen Pekings passieren, dass eine Frau oder ein Mann plötzlich vor einem stehen bleibt, sich nach vorne beugt und zum gesunden Ausspuck öffentlich ansetzt.
Wirklich einladend kann dieser Glaube aber nicht auf westeuropäische Touristen wirken. Daher hat Peking eine öffentliche Kampagne ins Leben gerufen, die den Bürgern bis 2008 Benimm-Regeln beibringen soll. Der Stadtfeind Nummer 1 sei dabei das öffentliche Ausspucken. Das für die Bekämpfung eingerichtete „Hauptstädtische Ethik- und Kulturentwicklungsbüro“ arbeitet eng mit den Medien zusammen, um den Bürgern das richtige Spucken beizubringen. Es gibt Broschüren, die das zivilisierte Spucken den Menschen näher bringen sollen. Und so geht es. Der spuckenden Bürger soll seinen hochgezogenen und zum Abschuss im Mund platzierten Speichel ab sofort in ein Taschentuch oder in einen Beutel abfeuern und dieses Tuch oder diesen Beutel dann in einen Mülleimer entsorgen. Fertig ist der saubere Glauben an die eigene Gesundheit.
Bei 14 Millionen Bürgern ist das aber keine leichte Aufgabe. Und damit lernfaule Spucker bis zu den Olympischen Spielen diese Art des Spucken gelernt haben, gibt es spezielle „Kommandowagen“ der Polizei, die mit rotierenden Videokameras ausgestattet sind, und so jeden Übeltäter auf frischer Tat ertappen können. Einmal des Verbrechens überführt, muss der Täter 50 Yuan, umgerechnet 5 Euro zahlen. Kann er dies nicht, so muss er die befleckte Stelle selbst reinigen.
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