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Archiv der Kategorie ‘Magdeburger Szenen‘

 
 

Magdeburger Szenen Nu.7

Brechend voll war es in der Glühweinbude. Und laut noch dazu. Persönlich habe ich ja nichts gegen weihnachtliche Klänge, aber alles in Maßen. Jeder Versuch ein Gespräch mit meiner Nachbarin anzufangen, wurde direkt von der Weihnachtsmusik erstickt. Als die Gäste anfingen, sich gegenseitig anzubrüllen, begriff es auch der „Weinachtsmusik-DJ“. Wir hatten schon überlegt, die Bude zu wechseln, da endlich drehte man die Lautstärke auf ein erträgliches Maß herunter. Endlich konnte ein jeder dicht gedrängt an seinem Punsch oder Glühwein schlürfen und sich angeregt unterhalten. Der Glühwein schmeckte und so blieben wir eine ganze Weile. Langsam leerte sich auch die Bude. Einige Freunde von uns gesellten sich im Laufe des Abends noch zu uns, andere verließen uns leider früher. Konstant verweilten immer so um die 25 Menschen in der Bude. Platz war so für alle genug da.
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Magdeburger Szenen Nu.6

Spät war es mal wieder geworden. Man hatte sich mal wieder fest gequatscht. Dabei hätte ich schon vor 5 Minuten losgehen sollen. Ne Nachtbahn in Magdeburg zu verpassen kann unter Umständen bedeuten, dass man den Heimweg zu Fuß antreten darf. Als ich jedoch an der Straßenbahnhaltestelle ankam, waren es noch etwa 10 Minuten, bis die Bahn abfahren sollte. Glück im Unglück kann man haben. Noch vor ein einigen Tagen wäre mir es egal gewesen, ein Paar Minuten warten zu müssen. In dieser Nacht jedoch war es winterlich kalt. Handschuhe und Mütze hatte ich noch nicht aus den untersten Schubladen hervorgekramt. Leider. Was hätte ich nicht alles dafür gegeben, jetzt nicht frieren zu müssen. Die halbvolle Bierflasche in meiner Hand war mir auch nicht wirklich eine Hilfe. Alkohol zu haben, war zwar gut, eiskaltes Bier trinken zu müssen, wärmte nicht wirklich. Ein Glas mit heißem Glühwein wäre da schon die elegantere Lösung. Damit mit wenigsten ein bisschen warm wurde, tippelte ich auf der Stelle herum.
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Magdeburger Szenen Nu. 5

Im ersten Moment glaubte ich ein Pony auf der anderen Straßenseite gesehen zu haben. Als ich dann ein zweites Mal genauer hinsah, erkannte ich einen Hund. »Das is ne Dogge« sagte ein Mann neben mir. In der Bank stand er eben noch vor mir am Schalter. Mir einen schönen Tag wünschend, machte er sich auch dann sogleich auf seinen Weg. Immer noch ungläubig und völlig beeindruckt von der Größe des Hundes blieb ich wie angewurzelt vor meiner Hausbank stehen. „Wenn der Hund von hier schon so riesig aussieht, wie groß wird er denn erst sein, wenn ich neben ihm stehe?,“ schoss es mir durch den Kopf. Die Entfernung zwischen Hund und mir betrug gute 150 Meter. Die mich und Hund trennende stark befahrenen Otto-von-Guericke Straße wog mich in Sicherheit. Ein Aufeinandertreffen hätte sicherlich kein gutes Ende für mich genommen. Die Dogge brachte mindestens gut das Doppelte meines Gewichts auf die Waage. Angebunden an einem Fahrradstender stand das Pony, ähm die Dogge, also da und wartete geduldig auf ihr Frauchen oder Herrchen. Die kläffenden Promenadenmischungen wenige Meter weiter beachtetet die Dogge nicht. Problemlos hätte er, (ja, dass es sich um eine männliche Dogge handeln musst, konnte ich sogar von meinem Standort erkennen,) wenn er gewollt hätte, dass eine oder andere verängstigte Schoßhündchen mit einem Biss verspeisen können. Zum Spaß pfiff ein an mir Vorbeigehender in Richtung Hund. Wäre es das richtige Startsignal für die Dogge gewesen, der Fahrradständer hätte das Tier nicht an Ort und Stelle halten können. So aber drehte er nur seinen Kopf in die Richtung des Pfiffs und sah sabbernd herüber. Sein grau braunes Fell glänzte in der Sonne. Der Himmel über der Jobagentur war wolkenlos. Ich setzte meine Sonnebrille auf und wollte gerade mit meinem Rad in Richtung Uni davon rollen, als das Frauchen der Dogge die Agentur verließ.
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Magdeburger Szenen Nu.4

Das nun im Folgenden Wiedergegeben mag nicht nur für alle männliche Magdeburger Dozenten gelten. Höchstwahrscheinlich, so nehme ich an, kann es überall in deutschen Hochschulen beobachtet werden. Das nun im Folgenden Wiedergegeben soll aber nicht uneingeschränkt über alle Dozenten gesagt sein. Ausnahmen gibt es auch hier. Für mich (Student/ männlich) hat die Uni wieder begonnen. Öfters als noch zuvor in den Semesterferien lasse ich mich gegenwärtig wieder an der Uni bei Vorlesungen oder Seminaren blicken. Drei Monate lang hatte ich via E-Mail eher „anonymen“ Kontakt mit meinen Dozenten bezüglich Hausarbeiten und Prüfungsfragen. Dieser Kontakt wird nun seit einigen Tagen wieder persönlicher. Auf den Fluren der Uni oder in der Mensa laufen sie mir nun wieder in regelmäßigen Abständen über den Weg. Und sollte ich ihnen dort nicht begegnen oder sie als solche wahrnehmen wollen, spätestens im Seminar muss ich mich dann dem Dozenten in seiner Erscheinung stellen. Selbst nun kurz vor dem Abschluss, trage ich seit einiger Zeit mit mir die Überlegung herum, meine berufliche Laufbahn an der Uni einzuschlagen. Doch diesen Gedanken werde ich wahrscheinlich wieder verwerfen. Warum? Ganz ehrlich, weil ich keine Bock habe, Bauch anzusetzen. Betrachte ich mir meine Dozenten, so muss ich sagen, wenig Bewegung, gutes Essen und stundenlanges Am-Schreibtisch-Sitzen verformen irgendwann dann auch den schlausten Menschen. Was einmal dünn und jung war, trägt heute so einiges an zusätzlicher Last herum. Ich will nicht sagen, dass sie dick oder fett wären, aber der Bauchansatz lässt sich nicht leugnen. Zuerst aufgefallen war mir dieses „Phänomen der Dickbäuchigen Dozenten“ während eines Seminars im letzten Sommersemester. Durch die Sonne aufgeheizt, war es im Vorlesungssaal unerträglich warm. Das Öffnen der Fenster brachte auch keine Abkühlung. Der Dozent, wollte er nicht zusätzlich schwitzen, war also gezwungen, sein Jackett abzulegen. Was man sonst für gewöhnlich nicht zu sehen bekommt, wurde uns StudentenInnen in diesem Moment offen gelegt. Der „Bauch“ war zu sehen. Zwar, nein, zum Glück bedeckte das Hemd noch Haut und Haar, doch der Bauch war mit oder ohne Hemd gewaltig. War es mir bis zu diesem Tag noch nicht aufgefallen, hier nun wurde es mir vor Augen geführt. »Man ist der Dick« kritzelte ich an diesem Tag unter meine Aufzeichnungen. Gestern lass ich diese kleine Anmerkung wie durch Zufall wieder. Was mir damals an diesem einen Dozenten auffiel, regte mich zu Nachforschungen zur „Bauchproblematik“ bei meinen Dozenten an. Und ich muss sagen, »Man ist der Dick«, kann ich oft beim Gang durch die Flure der Uni still vor mich her denken.

Magdeburger Szenen Nu. 3

Wochenendeinkauf am Freitag. Scheinbar hatte sich jeder Magdeburger diesen Tag dafür ausgewählt. Der „Real-Markt“ im City Carre platzte fast aus allen Nähten. Um einen Einkaufswagen zu bekommen, musste ich also erstmal anstehen. Eine gute viertel Stunde später schob ich dann endlich meinen hart erwarteten Wagen samt Einkaufszettel durch das riesige sich unter Tage befindliche Lebensmittel-, Drogerie-, Spielzeug- und Elektroarsenal. Ein Durchkommen ohne unabsichtliches Anecken an dem Einen oder Anderen Mitstreiter samt Begleitung schient heute nicht möglich. „War nicht mit Absicht, Verzeihung bitte.“, wurde zum Standartspruch meines Einkaufserlebnisses. Gefangen also im Strom konsumgeiler Magdeburger, bewegte ich mich zähflüssig durch die einzelnen Abteilungen, ohne eine Chance zu bekommen, zu verschnaufen. Ein Verweilen hier oder da hätte mir das erneute Eingliedern in den Strom der Kaufwütigen fast unmöglich gemacht. Am Brotstand nahm ich mir dann aber doch eine Auszeit.
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Magdeburger Szenen Nu. 2

Das Redakteurstreffen zur 4. Ausgabe des Amateurs fand bei mir statt. Stadtfeld, Immermannstraße. 4. Stock. Herrliche Aussicht. Die hell erleuchteten Wohnungen und die dort von statten gehenden Geschichten menschlichen Zusammenlebens, sind immer einen Blick aus dem Fenster wert. Noch waren wir nicht vollzählig. Sitzplätze waren allen schon anwesenden RedakteureInnen gerne angeboten. Nicht alle wollten aber sitzen. Der Blick aus dem Fenster schien seine Reize zu haben. J. war eine, die sich davon begeistern ließ, ab und an aus dem Fenster zu schauen. Und auch sie sah das von mir schon am Vormittag wahrgenommene auf dem Boden liegende Rennbike. Wie von Kinderhände scheinbar umgestoßen ruhte die Maschine auf dem Gehweg uns gegenüber. „Der wird sich aber Ärgern, wenn er das sieht“, war J. Kommentar dazu. Das war vor gut einer Woche.
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Magdeburger Szenen Nu. 1

Der Typ kam uns gleich suspekt vor. Kaum saßen wir in unserer Premiere Sports Bar bei mir um die Ecke, betrat auch schon Stammgast Nummer Eins das Lokal. Da wir nun regelmäßig mittwochs zur Konferenzschaltung der Champions Leauge Übertragung ins Mary Pigford gehen, kannten wir auch so einige Leute. Heute waren wir mal pünktlich, denn Pünktlichkeit wird am Mittwoch mit einem Sitzplatz belohnt. Nicht immer ist genug Platz zum Sitzen für alle Gäste da. Zu spät kommen kann also unter Umständen für einen Abend lang recht beinlastig werden. Leider waren wir an diesem Mittwoch nicht die Ersten und so blieb uns in der 10 mal 10 Meter großen Kneipe leider nur noch ein Tisch im Hinteren Bereich. Unser Bier stand keine zwei Minuten auf dem Tisch, da kam, wie gesagt, Stammgast Nummer Eins schon leicht angetrunken alle Anwesenden Fußballfans laut begrüßend in die Bar gestolpert. Nicht das wir das nicht schon kannten. Doch heute war etwas anders. Normaler Weise hat er immer seinen Hund dabei, heute fehlte der Vierbeiner. Dafür aber hatte er eine Gehhilfe unter seinen Arm geklemmt. Die Eingangstür schloss sich langsam hinter ihm, die Gehhilfe unter seinem Arm drückte ihn somit unfreiwillig in das Innere der bereits vollen Bar. Nur knapp konnte er einer Bauchlandung auf dem Tisch nahe der Tür durch einen ihm herbeieilenden Freund entgehen. Ich schaute meine Begleiter an und fragte sie, wozu er denn eine Gehhilfe bräuchte? Wir konnten an ihm äußerlich keine behandelten Verletzungen feststellen, die mit einer Gehhilfe unterstützend entlastet worden wären.
Der Abend war für ihn, wie für uns, sehr Bierreich, irgendwann war dann auch die Übertragung vorbei und ein jeder noch anwesende Gast orderte ein letztes Bier. Er Weizen, wir Pils. Sein Zug und Durst am Bierglas den ganzen Abend lang war stärker als der Unsere. Als er vor dem Bezahlen noch kurz zur Toilette schwankte, war allen klar, wozu er die Gehhilfe mitgenommen hatte. Und so kam es dann auch. Der Wirt schloss hinter uns die Tür ab und wir verstreuten uns in die Nacht. Stammgast Nummer Eins gen Norden, wir gen Süden. Und das er die Gehhilfe gebrauchen konnte, war nicht zu übersehen. Auf der einen Seite stützte ihn ein Freund, auf der anderen Seite hielt ihn die Gehhilfe in waagerechter Position. Wann er zum ersten Mal auf diese Idee gekommen ist, wird hoffentlich beim nächsten Mittwoch- Konferenz- Champions- Leauge- Abend bei dem Einen oder Anderen Bier zu erfahren sein.

Magdeburger Szenen

Hallo! Seid gegrüßt. Hiermit kündige ich meine/ eine neue Kategorie Magdeburger Szenen an. Was dort in Zukunft stehen wird, sind Alltagsgeschichten von Magdeburgern, wie ich sie Tag täglich hier auf meinem Weg zum Bäcker, im Café, in der Uni oder beim Fussball erlebe. Man darf gespannt sein.