Hans Magnus Enzensberger hatte schon 1989 in seinem Buch Ach Europa! die Arbeit eines Zeitungsformates treffend beschrieben. Im Buch spricht er von Italien, doch lässt sich das folgende Zitat auch treffend für die Arbeit der Bild Zeitung verwenden. Denn
die zähen, alten, widerspenstigen Probleme des Landes sind nicht evident, also langweilig. Sie haben keinen Unterhaltungswert: die Inflation, die Lähmung der Justiz, die fehlende Steuergerechtigkeit… Agrarsubventionen, Stahlpreise, Bebauungspläne… Dagegen der mysteriöse Tod eines Großbankiers… die Flucht des Großmeisters aus einem Schweizer Gefängnis… die Machenschaften eines türkischen Attentäters! Mit dem >Megablitz< und dem >Super-Thriller< kann niemand konkurrieren, der sich überlegt, wie eine vernünftige Verkehrspolitik auszusehen hätte, wie man eine Strafprozessordnung reformiert, und wie man die Krankenhäuser des Landes in einen zivilisierten Zustand versetzen könnte.
Spricht Enzensberger hier vielleicht von der Springer Presse? Dem Blatt der kleinen Leute. Der Bild Zeitung? Falls das Kartellamt der Übernahme der ProSiebenSat. 1 Gruppe durch den Axel Springer zustimmt, keine Bedenken äußert, wird die Verflachung in den deutschen Medien immer weiter vorangetrieben. Willkommen in der “Das-Mädchen-von-neben-an-Fernseh-Landschaft” der Bundesrepublik Deutschland.